für sie
kam bloss ein roman in betracht. nur wird von romanen kein geist fett. den genuss, den sie vielleicht bieten, überzahlt man sehr: sie zersetzen den besten charakter. man lernt sich in allerlei menschen einfühlen. am vielen hin und her gewinnt man geschmack. man löst sich in figuren auf, die einem gefallen. jeder standpunkt wird begreiflich. wilig überlässt man sich fremden zielen und verliert für länger die eigenen aus dem auge. romane sind keile, die ein schreibender schauspieler in die geschlossene person seiner leser treibt. je besser er keil und widerstand berechnet, um so gespaltener lässt er die person zurück. romane müssten von staats wegen verboten sein.

"die blendung" canetti


words am 3. Juli 2004, 20:59 8 Kommentare comment